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Aktuelle Regelungen der Wertpapierbesteuerung

für österreichische Privatanleger

Die aktuellen Regelungen der Wertpapier-Besteuerung sehen vor, dass neben Wertpapier-Erträgen wie Zinsen, Dividenden und Fondserträge auch Kursgewinne von Kapitalvermögen (z.B. aus Aktien, Anleihen, Fondsanteile) und Derivaten (z.B. Zertifikate) der KESt in Höhe von 27,5 Prozent unterliegen. Der automatische KESt-Abzug auf Kursgewinne erfolgt seit 1. April 2012 und wird nur für realisierte Kursgewinne aus (Wertpapier-) Neubestand abgezogen.

Wertpapiere aus Altbestand unterliegen nicht der Kursgewinnbesteuerung

Bei Altbestand handelt es sich um Aktien und Fondsanteile, die vor dem 1. Jänner 2011, sowie Anleihen und Derivate (zB Zertifikate), die vor dem 1. April 2012 erworben wurden.

Wertpapiere aus Neubestand sind:

  • Aktien und Fondsanteile, die ab dem 1. Jänner 2011 erworben wurden und ab dem 1. April 2012 veräußert werden und
  • Forderungswertpapiere und Derivate, die ab dem 1. April 2012 erworben wurden und wieder veräußert werden

Unterschiedliche Kategorisierung Neubestand

Bei Neubestand ist es möglich, dass die Anschaffungskosten nicht vorhanden sind. Dies kann bei Depotüberträgen und Lieferungen von Wertpapieren der Fall sein, wenn die tatsächlichen Anschaffungskosten von der übertragenden Bank nicht mitgegeben werden beziehungsweise die tatsächlichen Anschaffungskosten nicht nachgewiesen werden können. In diesen Fällen wird der abgeleitete gemeine Wert gemäß § 93 Abs. 4 EStG angesetzt, welcher erheblich vom tatsächlichen Anschaffungswert abweichen kann. Korrekturen sind mittels Entnahmebescheinigung möglich. Ist allerdings kein aktueller Marktpreis, aus dem der abgeleitete gemeine Wert ermittelt werden kann vorhanden, werden die Anschaffungskosten erst bei Verkauf der Wertpapiere vom Verkaufserlös abgeleitet (Neubestand ohne Kurs). In beiden Konstellationen wird bei der Realisierung von Gewinnen die KESt auf Kursgewinne abgezogen. Dieser KESt-Abzug bewirkt allerdings keine Endbesteuerung. Im Zuge der Veranlagung beim Finanzamt sind die tatsächlichen Anschaffungskosten nachzuweisen.

Es kann daher sein, dass zum selben Wertpapier bis zu vier unterschiedliche Steuerpositionen vorhanden sind:

  1. Neubestand mit Ersatzbemessung
  2. Neubestand ohne Kurs
  3. Neubestand
  4. Altbestand

Bei Verkaufsaufträgen kann individuell festgelegt werden, welcher Bestand verkauft werden soll. Gibt es keinen gesonderten Auftrag, wird der Verkauf anhand der oben angeführten Reihenfolge durchgeführt.

Berechnung der Kursgewinnsteuer

Die Kursgewinnsteuer in Höhe von 27,5 Prozent wird auf den Kursgewinn – die positive Differenz zwischen Anschaffungskosten (Kaufkurs) und Verkaufskurs – einbehalten und an das Finanzamt abgeführt. Wird ein Wertpapier in mehreren Tranchen zu unterschiedlichen Zeitpunkten erworben, dann werden alle Anschaffungskosten zusammengerechnet und ein Durchschnittspreis gebildet. Mögliche Spesen und Ausgabeaufschläge beim Erwerb oder bei der Veräußerung zählen nicht zu den Anschaffungskosten bzw. werden nicht vom Verkaufserlös abgezogen.

Es gelten folgende Übergangsbestimmungen:
Bestände von Aktien und Fonds, die in der Zeit von 1. Jänner 2011 bis 31. März 2012 erworben wurden, werden einmalig zum 01. April 2012 pauschal mit abgeleiteten Anschaffungskosten (Ersatzbemessung) bewertet. Das Bundesministerium für Finanzen hat per Verordnung die Schlusskurse des jeweiligen Wertpapiers zum 30. März 2012 als Ersatzbemessung definiert. Diese Ersatzbemessung dient als Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Kursgewinnsteuer für diese Bestände. Diesbezügliche Korrekturen sind im Wege der Veranlagung beim Finanzamt zu beantragen, wobei es nicht erforderlich ist, alle Kapitaleinkünfte offenzulegen.

Besteuerung von Wertpapieren auf einen Blick

Aktien Aktuelle Regelung 
Dividenden 27,5 % KESt
Realisierte Kursgewinne 27,5 % KESt

 

Fonds Aktuelle Regelung
INLÄNDISCHE FONDS (Abfrage VÖIG - steuerliche Daten)

I
M

F
O
N
D
S

Erträge 27,5 % KESt
Besteuerung der Kursgewinne

60 % der thesaurierten, realisierten Kursgewinne mit 27,5 % (ab Geschäftsjahr 1.1.2014)

Verlustausgleich

  Automatischer Verlustausgleich im Fonds: Gewinne und Verluste werden innerhalb des Fonds automatisch über alle Assetklassen hinweg ausgeglichen.
  Unbeschränkter Verlustvortrag: Realisierte Verluste können zur späteren Gegenverrechnung in folgende Geschäftsjahre vorgetragen werden.
  Gegenrechnung von Aufwändungen (Kosten): Im Fonds anfallende Kosten können den Erträgen gegengerechnet werden und verringern damit die KESt-Berechnungsbasis.

A
N
L
E
G
E
R
Besteuerung der Veräußerungsgewinne bei Verkauf von Fondsanteilen

27,5 % KESt auf den Differenzbetrag Veräußerungserlös und Anschaffungskosten (ohne Anschaffungsnebenkosten), sofern der Kauf ab 1.1.2011 und der Verkauf nach dem 31.03.2012 erfolgt.

Bereits besteuerte Erträge im Fonds werden bei Verkauf im Rahmen der Anschaffungskosten berücksichtigt - es kommt deshalb zu KEINER Doppelbesteuerung.

AUSLÄNDISCHE FONDS (Abfrage FMA - Zugelassene Fonds in Österreich, Abfrage ÖKB - Daten zu Meldefonds)

Zusatzinformation

Steuerrechtliche Kategorisierung:
  weiße Fonds (Meldung ausschüttungsgleiche Erträge, Besteuerung wie inländische Fonds)
  schwarze Fonds (keine Meldung ausschüttungsgleiche Erträge, pauschal 27,5 % KESt auf 90 % des jährlichen Kursgewinns, mindestens aber 27,5 % KESt auf 10 % des Fondswertes am Jahresende, belastet.)

   
Anleihen Aktuelle Regelung
Zinsen 27,5 % KESt auf Kupon
keine KESt auf Stückzinsen
Realisierte Kursgewinne 27,5 % KESt auf realisierte Kursgewinne inkl. Stückzinsen
Wohnbauanleihe Kupons bis 4 % KESt-frei
25 % KESt auf realisierte Kursgewinne
 
Zertifikate Aktuelle Regelung
Zinsen 27,5 % KESt
Realisierte Kursgewinne 27,5 % KESt
 
Optionsscheine Aktuelle Regelung
Realisierte Kursgewinne 27,5 % KESt

 

ZUSÄTZLICHE REGELUNG FÜR ANLEIHEN, ZERTIFIKATE UND DERIVATE, DIE ZWISCHEN 1. OKTOBER 2011 UND 1. APRIL 2012 GEKAUFT UND NACH DEM 1. APRIL 2012 VERKAUFT WERDEN
Liegt der Kauf zwischen 1. Oktober 2011 und 1. April 2012 und der Verkauf nach 1. April 2012 werden die realisierten Kursgewinne (bei Zertifikaten die realisierten Kursgewinne unter dem Emissionspreis) im Rahmen der Einkommenssteuererklärung UNABHÄNGIG VON DER BEHALTEDAUER mit dem Sondersteuersatz von 27,5 % besteuert. Die 1- jährige Spekulationsfrist verliert ihre Geltung.

Wichtige Hinweise zur Änderung von Depotinhabern und Depotüberträgen

Eine Entnahme oder ein sonstiges Ausscheiden von Wertpapieren aus dem Depot wird einer Veräußerung gleichgestellt. Dadurch kann es zu einer ungewollten KESt-Belastung kommen. Unentgeltliche Überträge im Rahmen einer Schenkung oder Erbschaft sind gegen Vorlage geeigneter Dokumente vom KESt-Abzug ausgenommen. Geeignete Dokumente sind Schenkungsmeldung, Einantwortungsbeschluss und ein Notariatsakt.

Hierbei handelt es sich um eine allgemeine Steuerinformation, die eine individuelle Beratung durch einen Steuerberater nicht ersetzen kann. Jegliche Haftung für die Inhalte ist ausgeschlossen. Die steuerliche Behandlung ist von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden abhängig und kann künftigen Änderungen unterworfen sein!

Stand: Jänner 2016


Dieses Dokument wurde von der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG ausschließlich zu Informationszwecken erstellt. Die enthaltenen Angaben, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissenstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung - vorbehaltlich von Änderungen und Ergänzungen. Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der Inhalte und für das Eintreten von Prognosen. Die Inhalte sind unverbindlich und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dar. Jede Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse (z.B. Risikobereitschaft) des Anlegers. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Finanzinstrumente und Veranlagungen mitunter erhebliche Risiken bergen. Die Wertentwicklung wird entsprechend der OeKB-Methode, basierend auf Daten der Depotbank, ermittelt. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich die Zusammensetzung des Fondsvermögens in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Regelungen ändern kann. Angaben über die Wertentwicklung beziehen sich auf die Vergangenheit und stellen daher keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung dar. Währungsschwankungen bei Nicht-Euro-Veranlagungen können sich auf die Wertentwicklung ertragserhöhend oder ertragsmindernd auswirken. Aus der Veranlagung können sich steuerliche Verpflichtungen ergeben, die von den jeweiligen persönlichen Verhältnissen des Kunden abhängen und künftigen Änderungen unterworfen sein können. Diese Information kann daher nicht die individuelle Betreuung des Anlegers durch einen Steuerberater ersetzen. Die beschränkte Steuerpflicht in Österreich betreffend Steuerausländer impliziert keine Steuerfreiheit im Wohnsitzstaat. Im Falle von anderen Emissionen liegt der Prospekt samt allfälligen Nachträgen beim jeweiligen Emittenten auf. Im Rahmen der Anlagestrategie von Investmentfonds kann überwiegend in Investmentfonds, Bankeinlagen und Derivate investiert oder die Nachbildung eines Index angestrebt werden. Fonds können erhöhte Wertschwankungen (Volatilität) aufweisen. In durch die FMA bewilligten Fondsbestimmungen können Emittenten angegeben sein, die zu mehr als 35 % im Fondsvermögen gewichtet sein können. Der aktuelle Verkaufsprospekt sowie die Wesentlichen Anlegerinformationen – Kundeninformationsdokument (KID) liegen in deutscher bzw. englischer Sprache bei der jeweiligen KAG, der Zahlstelle oder beim steuerlichen Vertreter in Österreich auf. Ausführliche Risikohinweise und Haftungsausschluss unter www.bankdirekt.at/Disclaimer

 

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