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Aktuelle Regelungen der Wertpapierbesteuerung

für österreichische Privatanleger

Die Besteuerung von Kapitalvermögen wurde mit Beginn des Jahres 2011 neu strukturiert. Die neuen Regelungen sehen vor, dass neben der bisherigen Kapitalertragssteuer (KESt) auf Zinsen, Dividenden und Fondserträge auch Kursgewinne von Kapitalvermögen (z.B. aus Aktien, Anleihen, Fondsanteile) und Derivaten (z.B. Zertifikate) der KESt in Höhe von 25 Prozent unterliegen. Der automatische KESt-Abzug auf Kursgewinne erfolgt seit 1. April 2012 und wird nur für realisierte Kursgewinne aus (Wertpapier-) Neubestand abgezogen.

Das sind:

  • Aktien und Fondsanteile, die ab dem 1. Jänner 2011 erworben wurden und ab dem 1. April 2012 veräußert werden und
  • Forderungswertpapiere und Derivate, die ab dem 1. April 2012 erworben wurden und wieder veräußert werden

Berechnung der Kursgewinnsteuer

Die Kursgewinnsteuer in Höhe von 25 Prozent wird auf den Kursgewinn – die positive Differenz zwischen Anschaffungskosten (Kaufkurs) und Verkaufskurs – einbehalten und an das Finanzamt abgeführt. Wird ein Wertpapier in mehreren Tranchen zu unterschiedlichen Zeitpunkten erworben, dann werden alle Anschaffungskosten zusammengerechnet und ein Durchschnittspreis gebildet. Mögliche Spesen und Ausgabeaufschläge beim Erwerb oder bei der Veräußerung zählen nicht zu den Anschaffungskosten bzw. werden nicht vom Verkaufserlös abgezogen.

Es gelten folgende Übergangsbestimmungen:
Bestände von Aktien und Fonds, die in der Zeit von 1. Jänner 2011 bis 31. März 2012 erworben wurden, werden einmalig zum 01. April 2012 pauschal mit abgeleiteten Anschaffungskosten (Ersatzbemessung) bewertet. Das Bundesministerium für Finanzen hat per Verordnung die Schlusskurse des jeweiligen Wertpapiers zum 30. März 2012 als Ersatzbemessung definiert. Diese Ersatzbemessung dient als Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Kursgewinnsteuer für diese Bestände. Diesbezügliche Korrekturen sind im Wege der Veranlagung beim Finanzamt zu beantragen, wobei es nicht erforderlich ist, alle Kapitaleinkünfte offenzulegen.

Wertpapiere aus Altbestand unterliegen nicht der Kursgewinnbesteuerung

Bei Altbestand handelt es sich um Aktien und Fondsanteile, die vor dem 1. Jänner 2011, sowie Anleihen und Derivate (z.B. Zertifikate), die vor dem 1. April 2012 erworben wurden.

Unterschiedliche Kategorisierung Neubestand

Bei Neubestand ist es möglich, dass die Anschaffungskosten nicht vorhanden sind. Dies kann bei Depotüberträgen und Lieferungen von Wertpapieren der Fall sein, wenn die tatsächlichen Anschaffungskosten von der übertragenden Bank nicht mitgegeben werden beziehungsweise die tatsächlichen Anschaffungskosten nicht nachgewiesen werden können. In diesen Fällen wird der abgeleitete gemeine Wert gemäß § 93 Abs. 4 EStG angesetzt, welcher erheblich vom tatsächlichen Anschaffungswert abweichen kann. Korrekturen sind mittels Entnahmebescheinigung möglich. Ist allerdings kein aktueller Marktpreis, aus dem der abgeleitete gemeine Wert ermittelt werden kann vorhanden, werden die Anschaffungskosten erst bei Verkauf der Wertpapiere vom Verkaufserlös abgeleitet (Neubestand ohne Kurs). In beiden Konstellationen wird bei der Realisierung von Gewinnen die KESt auf Kursgewinne abgezogen. Dieser KESt-Abzug bewirkt allerdings keine Endbesteuerung. Im Zuge der Veranlagung beim Finanzamt sind die tatsächlichen Anschaffungskosten nachzuweisen.

Es kann daher sein, dass zum selben Wertpapier bis zu vier unterschiedliche Steuerpositionen vorhanden sind:

  1. Neubestand mit Ersatzbemessung
  2. Neubestand ohne Kurs
  3. Neubestand
  4. Altbestand

Bei Verkaufsaufträgen kann individuell festgelegt werden, welcher Bestand verkauft werden soll. Gibt es keinen gesonderten Auftrag, wird der Verkauf anhand der oben angeführten Reihenfolge durchgeführt.

AKTUELLE REGELUNGEN FÜR AKTIEN UND FONDS AB 1. JÄNNER 2011

 
Aktien Alte Regelung Neue Regelung 
Dividenden 25 % KESt 25 % KESt
Realisierte Kursgewinne steuerfrei
Ausnahme: Verkäufe innerhalb der 1-jährigen Spekulationsfrist sind ESt-pflichtig
25 % KESt

 

Fonds Alte Regelung Neue Regelung
INLÄNDISCHE FONDS (Abfrage VÖIG - steuerliche Daten)

I
M

F
O
N
D
S

Erträge 25 % KESt 25 % KESt
Besteuerung der Kursgewinne

effektiv 5 % der realisierten Aktien-Kursgewinne

Stufenregelung für thesaurierte realisierte Kursgewinne:
GJ ab 01.07.2011: effektiv 7,5 % (nur Aktien-Kursgewinne)
GJ ab 01.01.2012: effektiv 10,0 % (nur Aktien-Kursgewinne)
GJ ab 01.01.2013: effektiv 12,5 %
GJ ab 01.01.2014: effektiv 15,0 %
(GJ = Geschäftsjahr des Fonds)

Verlustausgleich wie neue Regelung

  Automatischer Verlustausgleich im Fonds: Gewinne und Verluste werden innerhalb des Fonds automatisch über alle Assetklassen hinweg ausgeglichen.
  Unbeschränkter Verlustvortrag: Realisierte Verluste können zur späteren Gegenverrechnung in folgende Geschäftsjahre vorgetragen werden.
  Gegenrechnung von Aufwändungen (Kosten): Im Fonds anfallende Kosten können den Erträgen gegengerechnet werden und verringern damit die KESt-Berechnungsbasis.

A
N
L
E
G
E
R
Besteuerung der Veräußerungsgewinne bei Verkauf von Fondsanteilen steuerfrei
Ausnahme: Verkäufe innerhalb der 1-jährigen Spekulationsfrist sind ESt-pflichtig

25 % KESt auf den Differenzbetrag Veräußerungserlös und Anschaffungskosten (ohne Anschaffungsnebenkosten), sofern der Kauf ab 1.1.2011 und der Verkauf nach dem 31.03.2012 erfolgt.

Bereits besteuerte Erträge im Fonds werden bei Verkauf im Rahmen der Anschaffungskosten berücksichtigt - es kommt deshalb zu KEINER Doppelbesteuerung.

AUSLÄNDISCHE FONDS (Abfrage FMA - Zugelassene Fonds in Österreich, Abfrage ÖKB - Daten zu Meldefonds)

Zusatzinformation

Steuerrechtliche Kategorisierung:
  blütenweiße Fonds (Besteuerung wie inländische Fonds)
  weiße Fonds (Mischbesteuerung, jedoch wenig relevant)
  schwarze Fonds (Pauschalbesteuerung wie neue Regelung) 

Steuerrechtliche Kategorisierung:
  weiße Fonds (Meldung ausschüttungsgleiche Erträge, Besteuerung wie inländische Fonds)
  schwarze Fonds (keine Meldung ausschüttungsgleiche Erträge, pauschal 25 % KESt auf 90 % des jährlichen Kursgewinns, mindestens aber 25 % KESt auf 10 % des Fondswertes am Jahresende, belastet.)

 

NEUE REGELUNGEN FÜR ANLEIHEN, ZERTIFIKATE UND OPTIONSSCHEINE AB 1. APRIL 2012

 
Anleihen Alte Regelung Neue Regelung
Zinsen 25 % KESt auf Kupon 25 % KESt auf Kupon
keine KESt auf Stückzinsen
Realisierte Kursgewinne steuerfrei
Ausnahme: Verkäufe innerhalb der 1-jährigen Spekulationsfrist sind ESt-pflichtig
25 % KESt auf realisierte Kursgewinne inkl. Stückzinsen
Wohnbauanleihe Kupons bis 4 % KESt-frei, Geltendmachung als Sonderausgabe möglich, Kursgewinne steuerfrei
Ausnahme: Verkäufe innerhalb der 1-jährigen Spekulationsfrist sind ESt-pflichtig
Kupons bis 4 % KESt-frei
25 % KESt auf realisierte Kursgewinne
Sonderausgabenabzug entfällt bei Erwerb ab 1.1.2011
 
Zertifikate Alte Regelung Neue Regelung
Zinsen 25 % KESt auf Kupon 25 % KESt
Realisierte Kursgewinne 25 % KESt
Ausnahme: keine KESt bei Kursgewinnen unter dem Emissionspreis sowie bei (Turbo-)Zertifikaten mit Hebel größer 5 bei Emission; Verkäufe innerhalb der 1-jährigen Spekulationsfrist sind ESt-pflichtig
25 % KESt
 
Optionsscheine Alte Regelung Neue Regelung
Realisierte Kursgewinne steuerfrei
Ausnahme: Verkäufe innerhalb der 1-jährigen Spekulationsfrist sind ESt-pflichtig
25 % KESt

 

ZUSÄTZLICHE REGELUNG FÜR ANLEIHEN, ZERTIFIKATE UND DERIVATE, DIE ZWISCHEN 1. OKTOBER 2011 UND 1. APRIL 2012 GEKAUFT UND NACH DEM 1. APRIL 2012 VERKAUFT WERDEN
Liegt der Kauf zwischen 1. Oktober 2011 und 1. April 2012 und der Verkauf nach 1. April 2012 werden die realisierten Kursgewinne (bei Zertifikaten die realisierten Kursgewinne unter dem Emissionspreis) im Rahmen der Einkommenssteuererklärung UNABHÄNGIG VON DER BEHALTEDAUER mit dem Sondersteuersatz von 25 % besteuert. Die 1- jährige Spekulationsfrist verliert ihre Geltung.

Wichtige Hinweise zur Änderung von Depotinhabern und Depotüberträgen

Eine Entnahme oder ein sonstiges Ausscheiden von Wertpapieren aus dem Depot wird einer Veräußerung gleichgestellt. Dadurch kann es zu einer ungewollten KESt-Belastung kommen. Unentgeltliche Überträge im Rahmen einer Schenkung oder Erbschaft sind gegen Vorlage geeigneter Dokumente vom KESt-Abzug ausgenommen. Geeignete Dokumente sind Schenkungsmeldung, Einantwortungsbeschluss und ein Notariatsakt. Auch eine Finanzamtsmeldung ist möglich.

Hierbei handelt es sich um eine allgemeine Steuerinformation, die eine individuelle Beratung durch einen Steuerberater nicht ersetzen kann. Jegliche Haftung für die Inhalte ist ausgeschlossen. Die steuerliche Behandlung ist von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden abhängig und kann künftigen Änderungen unterworfen sein!

Stand: Dezember 2012


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